Demontiert und vorgeführt
10. Spieltag | Borussia Dortmund 5:0 1. FC Köln
23.10.2011 11:30
Tja wie war das mit der bröckelnden Wand? Selten hab ich so teilnahmslos die Gegentore
aufgenommen. Gefühlt war ich quasi mitten auf dem Platz, denn Köln hatte nicht viel
anders agiert und emotionslos das Programm abgespult. Gereicht hat das noch lange
nicht.
Ich hatte es geahnt - und das ist gut so. Es tat mir unglaublich gut, dass wir die drei
Punkte gegen Hannover geholt hatten. So konnten wir befreit nach Dortmund fahren und
bei einer Niederlage hätten wir tabellarisch gesehen wenig zu verlieren. Dass Moral
und Ehre mir dann doch einen Hauch wichtiger gewesen wären - das hatte ich nicht
geahnt.
Denn die Leistung der Spieler vom 1. FC Köln war nicht weniger als beängstigend. Kein
Aufbäumen, keine Gegenwehr, nicht mal Frust war bei den Spielern zu erkennen. Michael
Rensing und Ståle Solbakken taten mir am meisten Leid. Denn sie konnten am wenigsten
dafür. Rensing erreichte immerhin Normalform und konnte mit guten Paraden ein richtiges
Debakel verhindern. Wobei ich nicht schlüssig die Frage beantworten kann, ab welchem
Spielstand ein Debakel anfängt. Ab null Torschüssen?
Diese grandiose Leistung wäre fast eingetreten. Zum Glück sind wir aber in dieser
Statistik nun doch nicht verewigt. Doch was haben die Spieler bei ihrer Spielweise
erwartet? Es kann mir keiner erzählen, dass Solbakkens Taktik war, den Ball nur lang
nach vorne zu schlagen. Denn wie wir so auf 40 % Ballbesitz kommen konnten, ist mir
immer noch unerklärlich. Da kann ich die Statistik mit 55 % gewonnen Zweikämpfen
schon eher nachvollziehen. Denn Dortmund agierte so, dass wir meist gar nicht in den
Zweikampf kamen.
Dortmund spielte beeindruckend. Und aufgrund des Spiels habe ich noch ein paar
Danksagungen zu formulieren, die ich schnell mal loswerden möchte: Danke Jürgen
Klopp! Auch wenn Du mich einst mit Deinen Tanz auf unserer Tribüne fast in den
Wahnsinn getrieben hättest - Du hast in der 46. Minute Götze ausgewechselt und Eichner
damit den Knoten in den Beinen erspart. Danke an die Raucherfraktion der Osttribüne.
Immer wieder ließen Eure Rauchschwaden die Sicht der zentralen Kamera vernebeln und
ersparten mir damit ein wenig Leid auf dem Platz. Und Danke an unsere erstklassigen
Fans, die mir den nötigen Galgenhumor auf das Gesicht zauberten. Ihr seid einmalig!
Wenn ihr nur die verdammten Idioten aussortieren würdet, die immer ihre dämlichen
Pyros abfeuern müssen. Jungs, dass kostet unseren Verein wichtiges Geld!
So, habe ich das auch erledigt. Aber keine Sorge, ich gebe nicht nur, ich nehme auch.
Gern warte ich auf die persönlichen Entschuldigungen sogenannter Charakter- wie
Führungsspieler. Sascha Riether, Christian Eichner, Mato Jajalo, Martin Lanig und
insbesondere Lukas Podolski: Lasst unsere Jungspunde Chihi, Clemens und Roshi nicht allein.
Mich habt ihr in diesem Spiel allein gelassen. Das war nichts von Euch und so hat
keiner Anspruch auf den Titel "Chef im Ring". Es tat weh.
Schönste Spielszene:
Unsere Auswärtsfahrer haben einen tollen Support geliefert. Würdig zu erwähnen und
würdiger als das Spiel selbst. Oder sagen wir es mit einem Zitat, gefunden bei
Twitter:
Spielfazit:
Zugegeben, wir agieren momentan mit einem deutlich geschröpften Kader. Verletzt sind
Geromel, McKenna, Novakovic, Andrezinho, Brecko und nun auch Chihi. Sechs Spieler, die
alle ohne Probleme in der ersten Elf auflaufen würden und es bereits getan haben. Das
allein würde eine Niederlage gegen Dortmund akzeptabel machen. Doch Wille, Leistung,
Einsatz, Leidenschaft, aufbäumen und kämpfen sind Eigenschaften, die in jeder unteren
Liga beheimatet sind und ein Spiel, neben dem Können am Ball, nun mal ausmachen.
Traurig, dass wir von diesem Problem immer noch nicht erlöst sind.
Am meisten getroffen haben mich die Aussagen der Dortmunder nach dem Spiel. Denn nach
der Niederlage gegen Berlin und dem Sieg gegen Hannover könnten folgende Aussagen auch
auf uns zutreffen (Spiel gegen Dortmund nicht eingerechnet):"Wir haben bewiesen, dass
wir keine Versager sind, sondern Menschen, die auch mal einen schlechten Tag haben
können" sagte Marcel Schmelzer. Und Jürgen Klopp ergänzte: "Wer den Charakter der
Mannschaft in Frage gestellt hat, der hat nicht alle Latten auf dem Zaun". Fast schon
erschreckend, wie schnell sich das Blatt wenden kann.
Was bleibt sonst noch zu sagen? Man konnte feststellen, dass Sascha Riether im
defensiven Mittelfeld unabdingbar ist. Aber ob Makino es gegen Dortmund als
Rechtsverteidiger besser gemacht hätte? Adam Matuschyk plagen Gedanken, bei nicht genug
Einsatzzeit im Winter einen Wechsel zu vollziehen. Nun hatte er 90 Minuten Zeit
gehabt sich zu empfehlen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Bei der Leistung von
Eichner bin ich noch zwiegespalten. Einerseits wurde er wie Riether vom Vordermann
defensiv zu oft allein gelassen. Andererseits war Eichner gerade in der ersten Halbzeit
ständige erste Anspielstation und wurde immer gesucht. Das beweist immerhin, dass er
richtig stand. Die folgenden Pässe von ihm waren allerdings allesamt grauenhaft. So
könnte ich mit jedem Spieler verfahren.
Nun kommt bereits am Dienstag das schwere Pokalspiel in Hoffenheim, bevor es am
Wochenende gegen Augsburg geht. Zwei verdammt schwierige Spiele, gerade in dieser
Lage. Ich hoffe, dass der nun vorhandene Druck erneut ausreicht, um die Spieler an das
Maximum ihrer Leistungen bringen zu können. Gegen Dortmund war die Kür, welche grandios
verpatzt wurde. Nun folgt die Pflicht. Und ich bin gespannt wie das ausgehen wird. Der
Vorbericht gegen Hoffenheim muss übrigens mangels Zeit ausgelassen werden. Die
englischen Wochen sind einfach zu hart für mich und ich kriege es nicht unter. Ich
hoffe, ihr habt Verständnis dafür.